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Mein erster Job


Mit 13 Jahren wollte ich mir mein eigenes Geld verdienen. Ich fragte also meine Eltern, ob sie mir helfen eine Arbeit für mich zu finden, denn man braucht in diesem Alter ja noch die Erlaubnis der Eltern. Eine Idee für einen Job hatte ich auch schon parat. Damals hatte ich ein Gespräch von Klassenkameraden mitbekommen und erfahren, dass man Zeitungen austragen könnte. Dies schlug ich also meinen Eltern vor.

Aus dem 'Zeitungen austragen' wurde dann 'Zeitschriften austeilen'. Was einen enormen Unterschied machte. Denn Zeitschriften sind schwerer und benötigten auch noch diverse Vorbereitungen, bevor überhaupt ans Austragen zu denken war.

Zweimal die Woche bekam ich mehrere Stapel Zeitschriften nach Hause geliefert. Je nach Abo-Rhythmus waren es mal mehr, mal weniger - TV-Movie, Bravo, Revue, Hörzu, Brigitte etc. Oben drauf lagen jedes Mal eine Tabelle und Adressetiketten. Ohne Anleitung, ohne Einarbeitung. Ich musste selber herausfinden, wie der Job funktioniert.

Zweimal die Woche saß ich also, nach der Schule, auf dem Fußboden meines Kinderzimmers, schaute in der Tabelle nach, welcher Haushalt welche Zeitschrift bekommt, klebte das entsprechende Adressetikett darauf, erstellte mir mehrere sinnvolle Routen anhand eines Stadtplanes und sortierte die Zeitschriften dementsprechend. Es mussten mehrere Routen sein, da mein Bezirk sich auf mehrere Stadtteile verteilte. Ich hoffe, dass es diesen Bezirk heute nicht mehr so gibt. Teilweise gab es über mehrere Kilometer nicht einmal einen Bürgersteig und ich lief wegen zwei Zeitschriften vier Kilometer eine Landstraße entlang. (Für Ortskundige: Die Landstraße von Vlotho nach Erder!) Meine Eltern haben mir diese Strecke oft abgenommen, als sie davon erfuhren.

 

Ich hatte nur einen Rucksack, keinen Rolli oder ähnliches, und da es bei uns auch noch extrem bergig war und wir natürlich im Tal lebten, musste ich zu Fuß laufen - kein Fahrrad. Sicher, meine Mutter wollte mir häufig ihren Einkaufs-Rolli andrehen, aber das war mir damals mit 13 dann doch zu peinlich.

Ich lief also die erste Tagesroute bis der Rucksack leer war. Dann holte ich den zweiten Stapel von Zuhause und ging auf der nächsten Route weiter. Manchmal war es schon so spät oder der Stapel so groß, dass meine Eltern mir halfen, wenn sie selbst gerade von der Arbeit kamen.

Im Winter ging ich dann mit einer Taschenlampe arbeiten, da es früh dunkel wurde.

 

Montag und Mittwoch bereitete ich also die Stapel vor und Dienstag und Donnerstag, manchmal noch am Freitag, teilte ich die Zeitschriften aus. Insgesamt habe ich ca. 15-18 Stunden pro Woche gearbeitet. Ein echter Vollzeit-Job, denn zur Schule bin ich ja auch noch gegangen. Ich wollte es unbedingt so!

Und Haushaltspflichten hatte ich selbstverständlich auch. Seid meinem 10. Lebensjahr musste ich zweimal die Woche Staub von allen Oberflächen wischen und einmal die Woche auch den Boden wischen. Meine Schwester und ich teilten uns die Zimmer eigenständig auf. Geschirr wegräumen, abwaschen etc. gehörte sowieso schon mindestens seid Beginn der Schulzeit zu unseren Aufgaben. 

 

Seit ich 13 Jahre alt war, habe ich also für ein Entgelt gearbeitet. Dies ist bis heute eine wichtige Erfahrung für mich. Ich lernte die direkte Verbindung zwischen eigenem Handeln und dem Lohn dafür kennen - Arbeiten, Fleiß.

Etwas zu tun, auch wenn ich nach der Schule oft müde war. Eine Verpflichtung gegenüber den Kunden zu haben wie auch die Verantwortung für sein Handeln zu tragen. Eigenständig zu agieren und den Spaß nicht zu verlieren.

Meine Eltern haben mich schon früh verantwortungsvoll und pflichtbewusst erzogen. Sie, und unsere Lebensumstände, haben mich zu einer souveränen, eigenständigen Person gemacht, die wertschätzend mit anderen Menschen und deren Leistungen umgehen kann. Dafür bin ich sehr dankbar. Die Disziplin und den Antrieb, die meine Eltern mir mitgegeben haben, ermöglichen mir meine Selbstständigkeit. 

Durch meine Eltern wurde ich zum Praktiker. Nachdenklich war ich schon von Geburt an.

 

Ihre Valentina Siemens

 

 

PS: Diesen Job habe ich ungefähr zwei Jahre gemacht. Ich bekam 30 Pfennig pro Zeitschrift.  

Von meinem ersten Lohn kaufte ich mir ziemlich unschöne Turnschuhe für den Sportunterricht. Sie waren neongelb und schwarz.

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